
@ Gloria Kern – GloK
Umgeben von den felsigen Waldlandschaften des Aurachtales – am Nordrand des Höllengebirges und am Fuße des Hochleckens, – liegt der Taferlklaussee, auf 763 Meter Seehöhe. 1716 als Stausee für die Holzdrift angelegt, diente er später als Fischwasser.
Heute steht er unter Naturschutz. Er weist einen gesunden Fischbestand auf und sein Wasser hat Trinkwasserqualität. Die grüne Farbe entsteht durch Algen. Das Baden und das Fischen ist verboten.
Der Taferlklaussee liegt an der Großalm-Landstraße L 544 die von Altmünster am Traunsee nach Steinbach am Attersee führt. Von Altmünster nach Steinbach sind es zirka 23 km. Von Altmünster zum Taferlklausse sind es zirka 15 km.
Der Taferlklaussee gehört zur Gemeinde Altmünster, im Bezirk Gmunden, im oberösterreichischen Salzkammergut und ist im Besitz der Österreichischen Bundesforste.
Bereits die Fahrt von Altmünster Richtung Großalm-Landstraße bietet einen einzigartigen Panoramablick auf den Traunstein und auf den Traunsee.
Im wechselhaften Wetterspiel des Salzkammergutes, wacht der Traunstein, wie ein launischer Felskoloss über den Traunsee. Vor der großzügigen Kulisse des weiten Himmels steht er da, der steinerne, wandelbare Wächter; wie eine massive, felsige Leinwand, an der sich nach Jahreszeit und Sonnenstand, die überwältigende Farbenpracht, des unbeständigen Augenblicks entfaltet. Eine gewaltige, stimmungsgeladene Inszenierung der unbändigen Natur – in flüchtigen Akten – die sich an der stetig schwankenden Wasseroberfläche, der blaublitzenden Tiefen des Traunsees, treu spiegelt. Die helle Sonne, mit ihren Strahlen, abhängig von der Gunst der Witterung die alles übertönt, den Takt vorgibt; den Wind schickt, die Wolken erschafft, denen der Regen Erleichterung verschafft. Zarte, schwere, schrille, kreischend laute Töne die das stille Klangbild, auf der verrückten Bühne des beständigen Übergangs – des Werdens und des Vergehens – der unbezwingbaren Elemente, feinsinnig untermalen.
Die Großalm-Landstraße führt, entlang der Aurach, durch die sanfte Hügellandschaft des Aurachtals, vorbei an grünenden Wiesen und saftigen Weiden, auf denen gemächlich die Kühe, Schafe und Ziegen der ansässigen Bauern grasen und das Federvieh glücklich auf ihren Freiflächen pickt; vorbei an ländlichen Eigenheimen und Bauernhäusern. Vereinzelt lieblich gepflegte, traditionelle Lehmhäuschen und Steinhäuschen die, wie rustikal-romantische Raritäten, die vorüberziehende Landschaft zieren.
Lehm ist ein natürliches Gemisch aus Sand, Schluff (staubfeines Lockergestein) und Ton, das in den Böden der Region vorkommt. Das Aurachtal liegt, am Rand der Nördlichen Kalkalpen, in der Flyschzone (Sandsteinzone), deren Böden von weichen Tonen, Mergeln (kalkreiches Tongestein), Sandstein und Sedimentgestein (Ablagerungsgestein transportiert durch Wind, Wasser oder Eis) aus Ton, Schluff und Kalk geprägt sind. Die dadurch eher losen Böden bedingen auch die sanfte Hügellandschaft.
Granitfeldsteine, aus denen die Steinhäuser gebaut sind, dienten der einfachen bäuerlichen Bevölkerung als billige Baumaterialien, die frei eingesammelt werden konnten. Typisch war diese Bauweise im Mühlviertel in Oberösterreich und im Waldviertel in Niederösterreich, als Teil der Böhmischen Masse, im Granit- und Gneishochland. Granitfeldstein kommt im Aurachtal nur vereinzelt als, in der Eiszeit angeschwemmte, Findlinge vor.
Vom Taferlklaussee, weiter nach Steinbach am Attersee, ist die Großalm-Landstraße eine, zirka 8 km lange, kurvige, talauf- und talabwärts, durch dichte Wälder, verlaufende Strecke. Ihr höchster Punkt liegt auf 840 Meter Seehöhe. Talabwärts wird man wieder mit einem einzigartigen Panoramablick belohnt; auf den Attersee, eingerahmt von einer sanften Hügellandschaft im Norden und Westen und von den schroffen, steilen Wänden des Höllengebirges und des Schafberges im Süden und Osten. Der Attersee hat Trinkwasserqualität. Sein hoher Kalkgehalt bedingt das kristallklare Wasser und das, je nach Wetter und Lichteinfall, türkis-blaue Farbenspiel.
Als Stausee angelegt
Um das Holz aus dem waldreichen Aurachtal für den Weitertransport zu sammeln, wurde 1716 der Aurachbach an einer natürlichen Wasseransammlung aufgestaut. Das Holz wurde zur Befeuerung der Sole-Pfannen in der Saline Ebensee zur Salzgewinnung verwendet.
Holzdrift vom Aurachtal über Pinsdorf nach Ebensee
An der Nadasdy-Klause wurde das Wasser gestaut. Mit dem „Klausschlag“ wurde ein gewaltiger Wasserschwall ausgelöst um die Holzstämme bis zum Rechen in Kufhaus – heute ein Ortsteil von Pinsdorf – zu schwemmen. Mit einem mit Wasser betriebenen Aufzug wurde das Holz auf die Pinsdorfer Ebene gezogen. Mit Pferdewagen wurde es zum Traunsee transportiert und mit Schiffen und Flößen nach Ebensee gebracht.
Wer war Nadasdy?
Die Nadasdy-Klause ist nach Graf Nadasdy benannt. Er war im 18. Jahrhundert Präsident der Wiener Hofkammer und für das Finanz- und Forstwesen zuständig. Als hoher Beamter im Kaiserreich und oberster Chef der Hofkammer gab er den Auftrag und erteilte die Genehmigung für dieses wasserwirtschaftliche Großprojekt. Damals war es üblich solche Projekte nach dem jeweiligen Hofkammerpräsidenten oder hochrangigen Adeligen zu benennen die diese Projekte genehmigten oder finanzierten.
Ein für Österreich bedeutender Vertreter der Familie, mit Bezug zum Aurachtal, war Franz Leopold Graf Nadasdy von Nadasd und Fogarasföld (1708 – 1783), ein österreichischer Feldmarschall und später zum Vizekönig von Kroatien ernannt, aus dem ungarischen Adelsgeschlecht der Nadasdy. Er war Besitzer einer großen Herrschaft in Weissenkirchen im Attergau zu der auch Wald- und Forstgebiete im Aurachtal gehörten.
Bekannt wurde er für seine Erfolge im Österreichischen Erbfolgekrieg (1740 – 1748), als Maria-Theresia, nach dem Tod ihres Vaters Kaiser Karl VI., den Thron bestieg und mehrere europäische Fürsten Ansprüche auf die Habsburgischen Erblande und das römisch-deutsche Kaisertum stellten.
Auch im Siebenjährigen Krieg (1756 – 1763) spielte er eine wichtige Rolle als Truppenführer. Alle europäischen Großmächte der Zeit kämpften um ein Gleichgewicht der Mächte in Europa und um Kolonien in Amerika, Afrika und Indien sowie um die Herrschaft über transatlantische Seewege und damit verbundenen Handelsvorteile.
Kaiser Franz Joseph nahm Franz Leopold Graf Nadasdy durch „Entschließung“ am 28. Februar 1863 in „die Liste der berühmtesten zur immerwährenden Nacheiferung würdigen Kriegsfürsten und Feldherren Österreichs“ auf. Im Heeresgeschichtlichen Museum (damals im neu gegründeten: K.u.K. Hofwaffenmuseum) befindet sich eine lebensgroße Statue zu seinen Ehren.
Die Holzdrift nach Pinsdorf
Der Aurachbach verläuft, von seinem Ursprung am Hochlecken, durch den Taferlklaussee, ab der Nadasdy-Klause weitestgehend parallel zur Großalmstraße bis Neukirchen bei Altmünster/Reindlmühl. Will man der ehemaligen Holzdrift bis Kufhaus bei Pinsdorf folgen, biegt man am Rückweg, links Richtung Reindlmühl/Neukirchen, in die Aurchtalstraße ein, statt geradeaus nach Altmünster zu fahren.



Forsthaus an der Großalm-Landstraße gegenüber der Nadasdy-Klause.
Ende der Holztrift. Taferlklaussee unter Naturschutz gestellt.
Nach einem katastrophalen Hochwasser 1892 wurde die Holztrift eingestellt. Der Taferlklaussee wurde als Fischwasser genutzt. Heute steht er unter Naturschutz. Die grüne Farbe entsteht durch Algen. Sein klares Wasser hat Trinkwasser-Qualität. Er weist einen gesunden Fischbestand auf. Das Fischen und Baden ist verboten.




Leichte Wanderung um den See
In einer halben Stunde kann man den Taferlklaussee am Rundweg umwandern. Es gibt kaum Höhenunterschiede. Am Südufer befindet sich ein kleines, unzugängliches Hochmoor.

Wie ist der Taferlklaussee entstanden? Wie sind die Böden aufgebaut? Wie hat die letzte Eiszeit die Landschaft geprägt?
Diese Fragen beantwortet der Bodenlehrpfad entlang des Rundweges um den Taferlklaussee. Er zeigt, anhand von Schautafeln und Bodenprofilen, die verschiedenen Schichten des Waldbodens. www.bodenlehrpfad.at
Zusätzliche Informationen können per QR-Code an den einzelnen Stationen abgerufen werden. Die Inhalte können auch per Audioguide angehört werden. Da der Internetempfang rund um den See eingeschränkt sein kann, empfiehlt es sich, den Audioguide im Vorhinein herunter zu laden.
Verschwindet der Taferlklaussee?
Da mehr Sedimente in den Taferlklaussee eingespült als ausgeleitet werden, gewinnt das Land den See langsam zurück. An manchen Stellen ist er nur mehr 20 cm tief. Diese natürliche Verlandung bietet seltenen Tier- und Pflanzenarten Rückzugsräume.
Die Österreichischen Bundesforste, als Grundeigentümer, hatten wenig Interesse daran den Taferlklaussee aktiv zu erhalten. Eine Bürgerinitiative konnte schließlich durchsetzen, dass der Taferlklaussee erhalten bleibt. Durch behutsame Baggerungen sollen die eingespülten Sedimente abgetragen werden, sodass der Taferlklaussee, als Lebensraum für die angesiedelte Pflanzen und Tieren, sowie als beliebtes Ausflugsziel, weiterhin erhalten bleibt.


Einkehr mit Seeblick. Die Taferlklausstube
Die Taferlklausstube ist eine urige Jausenhütte mit Blick auf den See und die umliegende Landschaft. Sie befindet sich am Anfang des Rundweges, wenige Meter vom Parkplatz entfernt. Es gibt kleine Speisen und hausgemachte Jausen Gerichte. Lange war die Taferlklausstube geschlossen. Seit 2019 gib es einen neuen Pächter. Fallweise finden Musikveranstaltungen statt. Die Taferlklasustube kann für Veranstaltunen gebucht werden. http://www.taferlklausstube.com
Geöffnet: Mai bis Oktober. Bei Schlechtwetter geschlossen.
Geschlossen: November bis April
LEIDER IST DIE TAFERLKLAUSSTUBE DERZEIT WIEDER GESCHLOSSEN!




Anfahrt:
Der Taferlklaussee befindet sich am Fuß des Hochleckenkogels am nördlichen Fuß des Höllengebirges auf 763 m. Er gehört zur Gemeinde Altmünster, Bezirk Gmunden, Land OÖ.
Zum Taferlklaussee fährt man über die Großalm-Landstraße (L 544) die von Altmünster bis Steinbach am Attersee führt. Von Altmünster bis zum Taferlklaussee sind es zirka 15 km. Vom Taferlklaussee nach Steinbach am Attersee sind es zirka 8 km. Von Altmünster bis nach Steinbach am Attersee sind es zirka 23 km.
Von Pinsdorf fährt man über die Aurachtalstraße (L 1302) den Aurachbach entlang bis Neukirchen bei Altmünster. In Reindlmühl biegt man rechts Richtung Steinbach am Attersee, auf die Großalm-Landstraße, ab.
WANDERN UND ERLEBEN:
Im Sommer:
Jedes Jahr am 15. August findet das traditionelle Echoblasen statt.
Hochleckenhaus und Hochleckenkogel: Vom ersten Parkplatz des Taferlklaussee, vorbei am Aurach-Ursprung, erreicht man das bewirtschaftete Hochleckenhaus auf 1.572 m, mit herrlichem Weitblick über den Attersee. Von dort kann man weiter bis zum Gipfel des Hochleckenkogel auf 1.691 m, wandern.
Vorderer und Hinterer Langbathsee: Der Vordere und der Hintere Langbathsee sind in zirka 1,5 und 2 Stunden zu erreichen.
Altmünster am Traunsee und Steinbach am Attersee: Der Taferlklaussee kann je in einer zirka dreistündigen Wanderung erreicht werden.
Josefweg – ein 3-tägiger Pilger-Rundweg vom Traunsee zum Attersee: Der Josefweg verläuft weitestgehend parallel zur Großalm-Landstraße über den Hongar, durch den Naturpark Attersee – Traunsee. In 3-Tages Etappen kann man den spirituellen Rundweg, entlang alter Pilgerwege, von der Pfarrkirche Altmünster nach Weyregg am Attersee und zurück wandern. www.josefweg-salzkammergut.at
Im Winter:
Das beliebte Familienschigebiet Hochlecken eignet sich für Kinder und Anfänger. www.hochlecken.at
Im Winter kann man bei zugefrorenem See eislaufen. Es finden Eistockschießen statt.
Maße:
Länge: zirka 200 m, Breite: zirka 120 m, maximale Tiefe: zirka 1,5 m, Fläche: 1,53 Ha = zirka 15.300 m², Seehöhe: 763 m
Begriffserklärungen:
Klause: Wehranlagen die zum Aufstauen von Gewässern für den Holztransport errichtet wurden.
Holztrift: Transport von schwimmenden Baumstämmen, Scheitholz oder Schnittholz auf Wasserstraßen, wobei das Material lose (ungebunden) geschwemmt wird.
Hochmoor: Auch Regenmoor genannt. Feuchtgebiet (Moor) deren Torfschwämme durch Niederschläge in die Höhe wachsen. Torf entsteht aus Torfmoosen, deren große Zellen Wasser speichern und sich vollsaugen wie ein Schwamm. Über einen längeren Zeitraum bildet sich ein Hochmoor.
Sedimente: Organische und anorganische Lockermaterialen die am Grund eines Gewässers abgelagert werden.





@ Gloria Kern – GloK
Hallo, ich bin seit 2019 Pächter der Taferlklausstube und würde mich über eine Kontaktaufnahme der Autorin/des Autors dieses wunderbaren Artikels sehr freuen.
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