Ein Marterl am Wegesrand nach Kößlwang. Die freie Landschaft als Andachtsraum.

(C) Gloria Kern – GloK

Marterl am Wegesrand nach Kößlwang

Marterl laden zum Innehalten, Besinnen und zur Andacht ein. Dieses sehenswerte Marterl steht am Wegesrand auf dem Güterweg von Oberhörbach bei Vorchdorf in Oberösterreich nach Kößlwang. Es zeigt den Heiligen Leonhard, den Heiligen Florian, den Heiligen Johannes und die Heilige Dreifaltigkeit.

Der Begriff Marterl leitet sich von Marter (lat. martyrium) ab und bezeichnete ursprünglich die Darstellung des Lebens und der Leiden Christi. Wie der Bildstock gehört das Marterl zu den religiösen Kleindenkmälern. Die ersten Bildstöcke und Steinkreuze entstanden im Spätmittelalter, oft als Sühne- oder Pestkreuze. Der älteste datierte Bildstock in Österreich stammt aus dem Jahr 1347 und steht bei Litschau im Waldviertel.

Bildstöcke und Marterl hatten ihre Blütezeit im Barock. Während der Aufklärung wurden sie durch Joseph II. verboten und teilweise abgetragen. Sie galten, wie Wallfahrten und Prozessionen, die damals überhand nahmen, als Ausdruck unaufgeklärten Volksglaubens. Im 19. Jahrhundert, als die strengen Reformen nachließen, setzte eine Rückbesinnung auf religiöse Traditionen ein. Die Kleindenkmäler erlebten einen Aufschwung. Sie wurden auch zunehmend an einer Stelle an der ein Unglück passierte oder ein plötzlicher Todesfall eintrat als Erinnerungsstätte errichtet.

In Krisenzeiten erleben Traditionen als Gegenbewegung zur Neuerungen und Veränderungen immer einen Aufschwung. Bereits in den 1970er und 1980er Jahren kam es, nach den drastischen Veränderungen durch den 1. und den 2. Weltkrieg, dem steigenden Wohlstand, den damit verbundenen Konsum und den gesellschaftlichen Umbrüchen in den 1960er Jahren, zu einer Renaissance des Regionalen. In der Gegenwart macht sich diese Entwicklung im sogenannten Neo-Traditionalismus bemerkbar, als Gegenbewegung zur fortschreitender Globalisierung, Vermischung der Kulturen, Digitalisierung und zu den multiplen Krisen.

Der Heilige Leonhard ist einer der am meist verehrten Heiligen in Europa. Er lehnte die ihm angebotene Bischofswürde ab um als Eremit zu leben. Er ist Zuflucht der alpenländischen Bauern, besonders der Rinder- und Pferdebauern, aber auch der Gebärenden, der Gefangenen und der Geisteskranken. Sein Gedenktag ist der 6. November.

Der Heilige Florian ist einer der populärsten Heiligen im deutschsprachigen Raum. Er ließ seine Glaubensbrüder nicht im Stich. Er weigerte sich, zusammen mit seinen Gefährten, den Göttern Roms zu opfern. Man hat ihn gefoltert und mit einem Stein um den Hals in der Enns ertränkt. Er bezeugte seinen Glauben bis in den Tod. Er war ein Märtyrer. Sein Todestag ist der 4. Mai 304 n. Chr. Er ist der Schutzpatron der Feuerwehr und wird gerne angerufen um Brandgefahr abzuwehren.

Der Heilige Johannes war der Lieblingsjünger Jesus. Er soll der Verfasser des Johannesevangelium sein. Er ist der Patron der Theologen, der Beamten, der Schriftsteller, der Schreiber, der Buchhändler, der Papierfabrikanten, der Glaser, der Bildhauer, der Weingärtner und der Freundschaft. Seine Fürsprache wird bei Brandwunden, Vergiftung, Fußleiden und Epilepsie erbeten.

Die Heilige Dreifaltigkeit oder Trinität ist das zentrale Gottesbild des Christentums und Glaubensgeheimnis des christlichen Glaubens und Lebens. Es besagt, dass es nur einen Gott gibt, der sich aber in drei Personen offenbart und erfahrbar macht. Er, Gott, ist ein Wesen in drei Personen, die alle drei gleich Gott sind: der Vater (Schöpfer), der Sohn (Jesus Christus) und der Heilige Geist ohne Anfang und ohne Ende.

Heiliger Leonhard
Heilige Dreifaltigkeit
Heilige Dreifaltigkeit

(C) Gloria Kern – GloK

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