Peterskirche eine der ältesten Kirchen Wiens und Schneckenmarkt am Petersplatz

(C) Gloria Kern – GloK

Die wechselhafte Geschichte der Peterskirche

Heidnischer Göttertempel und Römerzeit

Die Peterskirche ist eine der ältesten Kirchen Wiens. Es wird vermutet, dass sich in der Nähe des heutigen Haupttors bereits ein heidnischer Göttertempel befand. In der zweiten Hälfte des vierten Jahrhunderts nach Christus soll sich hier, im Bereich des römischen Lagers Vindobona, nach Umbau einer Kaserne, eine spätrömische Saalkirche befunden haben. Belegen lässt sich das aber nicht.

Zahlreiche Besitzwechsel im Hochmittelalter

Wahrscheinlich wurde die Peterskirche von einem vorbabenbergischen Stadtherrn in der Mitte des 11. Jahrhunderts begründet, der Beziehungen zum Bistum Salzburg hatte, worauf das Patrozinium St. Peter schließen lässt. 1137 hat der Babenberger Markgraf Leopold IV. (1108 – 1141), genannt der Freigiebige, die Peterskirche sowie alle anderen Kirchen in Wien im „Tauschvertrag von Mauthern“ der Pfarre St. Stephan unterstellt. Herzog Heinrich II. (1114 – 1177), genannt Jasomirgott, hat die Kirche dem Schottenstift geschenkt. Nach dem „Schottenstiftbrief“ von 1158 wurde die Kapelle von St. Peter dem Schottenkloster eingepfarrt.

Brände und Wiederaufbau im Spätmittelalter

1276 fiel die Peterskirche dem großen Stadtbrand zum Opfer. Noch im selben Jahr wurde sie wieder aufgebaut. Am 20. März 1327 wurden der Dachstuhl und die Inneneinrichtung bei einem Brand vernichtet. Belegt ist, dass 1399 mit dem Bau einer Kapelle zu Ehren des Heiligen Valentin begonnen wurde. Der Bau ging schleppend voran. 1419 wurde bestimmt, dass sie auch der Heiligen Jungfrau und den Heiligen Ärzten Kosmas und Damian geweiht werden soll. 1421 soll sie fertig gestellt worden sein.

Ungewisse Zukunft in der Neuzeit

1544 fiel die Peterskirche durch Tausch wieder an den Landesfürst und römisch-deutschen Habsburger Kaiser Ferdinand I.(1503 – 1564) zurück. Wolfgang Lazerus (1515 – 1565) Philosoph und Professor für Medizin sowie Leibarzt von Ferdinand I. ließ sie von 1555 bis 1557 größtenteils auf eigene Kosten restaurieren. 1615 war sie jedoch wieder reparaturbedürftig. Bis ins 17. Jahrhundert war die Zukunft der Peterskirche ungewiss. Immer wieder wurde sie baufällig. Immer wieder gab es Interessenten, die aber abgelehnt wurden, weil man die gestellten Bedingungen nicht erfüllen wollte oder die benötigten Mittel nicht zur Verfügung hatte. 1661 fiel sie wieder einem Brand zu Opfer.

Im Barock kehrt Stabilität ein

Auf Initiative von Kaiser Leopold I. (1640 – 1705) erhielt schließlich die Bruderschaft der Heiligsten Dreifaltigkeit 1676 die Kirche. Zu dieser Bruderschaft gehörten die einflussreichsten und angesehensten Bürger Wiens sowie Mitglieder des Adels. Da nun die Mittel zur Verfügung standen beschloss man 1700 die alte Kirche abzureißen und eine neue errichteten zu lassen, die an den Petersdom in Rom erinnern sollte. Beim Abbruch der alten Kirche soll man einen Grundstein gefunden haben, der darauf hinwies, dass die Kirche zu Ehren des Apostelkönigs Paulus und der Heiligen Dreifaltigkeit von Karl dem Großen (747 oder 748 – 814) im Jahr 800 errichte wurde. Belege für diese Gründungsgeschichte gibt es aber nicht.

Die Ordensbruderschaft der Heiligsten Dreifaltigkeit

Die Ordensbruderschaft der Heiligsten Dreifaltigkeit wurde 1198 von Papst Innozenz III. (1161 – 1216) als Orden der Katholischen Kirche anerkannt. Die Namensgebung begründete sich in der Abgrenzung zum Islam, mit dem man durch Kreuzzüge in Berührung gekommen ist. 1688 kamen die Trinitarier nach Österreich. 1783 ließ Joseph II. (1741 – 1790) die Bruderschaften aufheben. Dabei mögen auch wertvolle Schriftstücke über die Vergangenheit der Peterskirche verloren gegangen sein.

Neubau als Barockkirche

Darüber, wer den Neubau inne hatte, gehen die Angaben auseinander. Wahrscheinlich ist, dass Johann Lukas Hildebrandt (1668 – 1745) den Rohbau 1708 vollendet hat. Am 25. Oktober 1708 wurde sie geweiht. Der weitere Ausbau – Innenausstattung von 1708 bis 1715, Vollendung des Kuppelraumes von 1713 bis 1717, Hauptchor von 1730 bis 1733 – ging schleppend voran. Kaiser Karl VI. als Mitglied der Bruderschaft spendete Kupfer für die Kuppeldeckung nachdem das dafür eingesetzte Holz schadhaft geworden war. 1733 wurde sie vollendet. Am 17. Mai 1733 wurde sie der Allerheiligsten Dreifaltigkeit und dem Heiligen Petrus geweiht.

Seit dem Bau als Barockkirche (1701 – 1733) wird die Peterskirche stetig instand gehalten und immer wieder renoviert. Eine umfassende Renovierung fand von 2001 bis 2004 statt. 2021 bis 2023 wurde der Innenraum aufwändig gereinigt.

Lebendige Kirchengemeinschaft und tägliches Musikangebot

Der Wiener Erzbischof Franz König hat 1970 die Seelsorge den Priestern der Prälatur Opus Dei (lat. Werk Gottes) übertragen. 1976 wurde sie von einer Pfarrkirche in eine Rektoratskirche umgewandelt.

Heute gehört die Peterskirche zu den schönsten Barockkirchen Österreichs mit einem reichen geistlichen Angebot und einer lebendigen Kirchengemeinschaft. Drei Mal täglich findet ein Gottesdienst statt. Täglich um 15.00 Uhr gibt es ein öffentlich zugängliches Konzert. Eine freie Spende wird erbeten.

Schneckenmarkt am Petersplatz

Bereits im alten Rom waren Schnecken ein beliebtes Nahrungsmittel. Die Römer verbreiteten sie in ganz Europa. Aufgrund der strengen Fastenregeln der Katholischen Kirche im Barock waren Schnecken damals als Fastenspeise in den Klöstern beliebt. Das übertrug sich auch auf andere Gesellschaftsschichten. Die Weinbergschnecke wurden zur Spezialität der Wiener Küche. Man bereitete sie in allen erdenklichen Varianten zu. Ab dem 17. Jahrhundert wurden in Wien Schnecken gezüchtet. Wien wurde zur Schneckenhochburg. Nach Auflassen des Friedhofs (Petersfreidhof), unter Josef II. (Regentschaft 1765 – 1790) etablierte sich am Platz um die Peterskirche ein Schneckenmarkt mit zahlreichen Verkaufsbuden. Dort befand sich auch ein Gasthaus mit dem vom Schneckenmarkt inspirierten Namen „Zur Schnecke“. Sogenannte Schneckenweiber boten die „Wiener Austern“ zum Verzehr feil. Aufgrund der großen Nachfrage wurden zusätzlich Schnecken aus Schwaben und aus der Schweiz importiert. Da sich Schnecken im Winter zusammen ziehen, konnten sie verpackt und in Fässern und Säcken transportiert werden. Im Zuge der Fassadenrenovierung der Kirche 1844 wurden die zahlreichen Verkaufsbuden entfernt. Der Schneckenmarkt verlagerte sich vorübergehend auf die Seilerstätte, kehrte aber wieder auf den Petersplatz zurück. Vor dem Neutor, am Mehlmarkt und Am Hof wurden auch Schnecken verkauft. Im Laufe des 18. Jahrhunderts brach der Schneckenmarkt zusammen. Um 1860 verschwanden die Schneckenhändler aus Wien.

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